Wem gehört kulturelles Erbe? Wer entscheidet über Erinnerung, Besitz und Rückgabe? Welche Verantwortung tragen Museen heute? Und wie verändert sich unser Blick auf die Kunst, wenn wir ihre Geschichte genauer unter die Lupe nehmen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich seit vielen Jahren Prof. Dr. Bénédicte Savoy, Professorin für Kunstgeschichte am Collège de France in Paris und an der Technischen Universität Berlin.
Wie keine andere hat sie die Debatte um koloniale Raubkunst geprägt und in Bewegung gebracht. Sie untersucht, wie Kunstwerke in Kriegs- und Kolonialzeiten ihren Besitzer wechselten – von Napoleons Beutezügen bis zur Plünderung des Pekinger Sommerpalasts, von der Nofretete-Affäre bis zu afrikanischen Artefakten in europäischen Museen.
2018 beauftragte Präsident Emmanuel Macron sie und Felwine Sarr, Empfehlungen zur Rückgabe afrikanischer Kulturgüter zu erarbeiten. Der daraus entstandene Bericht hat die europäische Restitutionsdebatte grundlegend verändert – Time Magazine zählte beide daraufhin 2021 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten weltweit.
In ihrem Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst – Geschichte einer postkolonialen Niederlage“ zeigt Savoy, dass dieser Kampf keineswegs neu ist. Schon vor über fünfzig Jahren, in den Jahren nach der Unabhängigkeit vieler afrikanischer Staaten, forderten diese die Rückgabe ihrer geraubten Kulturgüter. Doch europäische Museen organisierten sich – und wehrten die Forderungen ab. Savoy hat diese Absprachen in den Archiven nachgewiesen: eine koordinierte Strategie des Schweigens und der Verzögerung.
Was damals verhindert wurde, erleben wir heute: 2021 gab Frankreich 26 königliche Objekte aus dem ehemaligen Königreich Dahomey an den Staat Benin zurück. Deutschland folgte mit der Restitution der Benin-Bronzen an Nigeria. Es sind erste Schritte – aber Schritte, die ohne die Arbeit von Bénédicte Savoy so nicht denkbar wären.
Ihre Botschaft ist klar: Es geht nicht nur um Objekte. Es geht um eine neue Beziehungsethik zwischen Europa und Afrika. Es geht darum, Geschichte anzuerkennen – und Zukunft gemeinsam zu gestalten.
Et comme toujours gibt es im Anschluss Wein und Häppchen sowie die Möglichkeit die Sammlung sowie die aktuelle Ausstellung zum 100. Geburtstag von Maurice Lemaître zu besichtigen.
Wir freuen uns, Sie nach der Sommerpause wieder bei uns zu begrüßen!
Herzliche Grüße
Arno Morenz, Swana Pilhatsch-Morenz
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